veröffentlicht in inside LVV, Pressemitteilung, Wissenswertes am 27.07.2025

Berufssprachkurse 2025: Drastische Kürzungen gefährden Integration und Arbeitsmarktchancen – Sprache als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe

Die deutsche Sprache ist ein zentraler Pfeiler der Integration für Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Sie eröffnet Zugang zu Berufsausbildung, Arbeitsmarkt und gesellschaftlicher Teilhabe. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse sind Lebensalltag, Arbeit und Weiterbildung massiv erschwert. Deshalb sind die Berufssprachkurse (BSK) unverzichtbar, um Migranten fit für den deutschen Arbeitsmarkt und die gesellschaftlichen Anforderungen zu machen.


Bedeutung der deutschen Sprache für Integration und beruflichen Erfolg

  • Laut BAMF begannen 2024 rund 363.000 Menschen einen Integrationskurs, über 90% erreichen dabei mindestens das Sprachniveau A2 oder B1. Gute Deutschkenntnisse sind entscheidend für den Erfolg in Ausbildung und Beruf sowie für die soziale Eingliederung.
  • Die OECD bestätigt mit aktuellen Zahlen, dass Deutschland durch intensive Sprachförderung die Integration von Migranten verbessert hat. 70% der Migrant*innen sind erwerbstätig, ein Höchststand im EU-Vergleich.
  • Sprachbeherrschung erleichtert Zugang zu weiterführender Bildung und beruflicher Weiterbildung und ist Voraussetzung für qualifizierte Jobs in Medizin, Pflege, Technik und Dienstleistung.
  • Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund profitieren besonders von frühem und kontinuierlichem Sprachlernen – Deutschkenntnisse führen zu besseren Bildungs- und Berufschancen.

Haushalt 2025: Massive Kürzungen bedrohen diese wichtige Brücke

Trotz der erkannten Bedeutung plant der deutsche Haushalt für 2025 drastische Kürzungen im Gesamtprogramm Sprache:

  • Die Mittel werden von etwa 1,1 Mrd. Euro auf ca. 500 Mio. Euro halbiert.
  • Etwa 70% der Berufssprachkurse auf den Niveaus A2, B1, C1, C2 und fachspezifischen Kursen fallen weg und werden nicht mehr gefördert.
  • Nur noch B2-, Job-, Azubi-, Frühpädagogik- und Anerkennungs-BSK werden weiter angeboten.
  • Dies widerspricht klar der benötigten Sprachförderung für einen breit gefächerten Migrantenanteil.

Folgen der Kürzungen für Migrantinnen, Arbeitsmarkt und Gesellschaft

  • Viele Menschen mit Migrationshintergrund werden ohne ausreichende Sprachförderung vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen oder haben geringere Chancen auf Weiterbildung.
  • Unternehmen, die auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen sind, werden bei der Integration ausländischer Beschäftigter behindert, was die Fachkräftesicherung gefährdet.
  • Regionale Unterschiede verschärfen sich, da strukturschwache Gebiete noch weniger Zugang zu Sprachkursen haben.
  • Viele Sprachlehrer und Bildungseinrichtungen sehen sich mit Existenzangst konfrontiert, was das gesamte System der Integrationsförderung schwächt.

Dringende Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung

  1. Haushaltsmittel sofort erhöhen: Das Budget für die Sprachförderung muss auf oder über das Vorjahresniveau angehoben werden, um die gesamtgesellschaftlichen Ziele der Integration zu erfüllen.
  2. Vollständige Wiederaufnahme aller Sprachkurse: Auch Kurse für Sprachniveaus A2 bis C2 sowie fachspezifische Angebote müssen wieder angeboten werden – ohne Einschränkungen.
  3. Digitale und hybride Kursformate fördern: Diese schaffen Kapazitäten und sorgen für flexible Zugänge auch in ländlichen und strukturschwachen Regionen.
  4. Regionale Förderprogramme ausweiten: Maßgeschneiderte Angebote durch Länder und Kommunen sollten stärker unterstützt werden, um Zugangsbarrieren abzubauen.
  5. Kommunikation verbessern: Transparente und verlässliche Informationen für Teilnehmende, Träger und Unternehmen sind notwendig, um Verunsicherung zu vermeiden.
  6. Sprachförderung langfristig als Schlüssel sehen: Integration, gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Teilhabe hängen untrennbar mit guten Deutschkenntnissen zusammen – Investitionen darin sind Investitionen in Deutschlands Zukunft.

Fazit

Sprache ist der Dreh- und Angelpunkt für Integration und ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland – ob im Alltag, in der Ausbildung oder im Berufsleben. Die geplanten Kürzungen bei den Berufssprachkursen drohen diesen wichtigen Motor der Integration abzuwürgen und langfristig Arbeitsmarktchancen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden. Die Politik ist jetzt gefragt, nachhaltige, ausreichend finanzierte Lösungen zu schaffen, die allen Menschen faire Chancen bieten.


Weitere Informationen und aktuelle Kursangebote finden Sie auf LVV-Bildung.de, Ihrer Datenbank für Aus- und Weiterbildung in Deutschland.


Quellen

  • BAMF Integrationskursstatistik 2024
  • OECD Studie zur Integration 2024
  • DIW und Mediendienst Integration
  • GEW Bildungsgewerkschaft
  • BR24 Wirtschaftsberichte

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